„Wertewandel – Umgang mit vier Generationen“

Am Montag, den 25.02.2013, referierte der renommierte Management-Trainer Stefan Köhler aus Bünde/Westfalen vor gut zwanzig Mitgliedern des Gewerbeverein Beelen e.V. im Hotel Schuhmacher. In seinem dreistündigen Vortrag beschrieb Stefan Köhler die vier Generationen, die zur Zeit den deutschen Arbeitsmarkt ausmachen. Er erläuterte auf anschauliche und unterhaltsame Weise die Stärken und Schwächen der jeweiligen Generation und die nicht seltenen Kommunikationsprobleme, die durch die Altersunterschiede im Arbeitsleben auftreten.

Bevor er auf die Generationsunterschiede einging, stellte er zunächst das Ergebnis einer statistischen Untersuchung vor, das besagt: „Im Jahr 2025 gibt es in Deutschland 3,65 Millionen vakante Arbeitsplätze.“ Hier meldeten sich sogleich einige Zuhörer zu Wort, die auf Grund ihrer eigenen Erfahrung bestätigten, wie schwer es schon jetzt sei, geeignete Arbeitnehmer für ihr Unternehmen zu finden. Herr Köhler konnte diese Aussagen nur bestätigen, indem er unterstrich, wie wichtig es sei, schon jetzt durch sinnvolle Maßnahmen auf den zunehmenden Arbeitnehmermangel im eigenen Unternehmen zu reagieren.

Um den interessierten Zuhörern und Zuhörerinnen ein Gefühl für die unterschiedliche Arbeits- und Denkweise der verschiedenen Altersgruppen zu vermitteln, beschrieb Stefan Köhler diese zunächst ausführlich und „unverblümt“. Zunächst ging er auf die Wirtschaftswunderkinder ein, die sogenannten „Preboomer“ (Jahrgang 1946-55), die heutzutage immerhin noch 5% der Erwerbstätigen ausmachen. Diese Generation zeichnet sich aus durch ein enormes Maß an Erfahrung. Sie sind es gewohnt zu improvisieren, zu reparieren, sie sind die sogenannten „Bewahrer“. Sie schätzen Stabilität und Sicherheit in ihrem Leben und sind ihrem Arbeitgeber gegenüber hochloyal. Respektlosigkeit vor ihrer Lebensleistung empfinden sie als große Missachtung.

Es folgt die Generation der „Babyboomer“ (Jahrgang 56-65), die den größten Anteil am Arbeitsmarkt haben, mit 38%. Die „Babyboomer“ werden in der Wissenschaft auch die Krisenkinder genannt (Ölkrise, RAF etc.). Sie stehen quasi seit ihrer Kindheit im harten Konkurrenzkampf (man denke nur an die großen Schulkassen mit bis zu 40 Kindern!). Sie sind folgerichtig echte Überlebenskünstler, sie sind sozialkompetent, teamfähig und flexibel. Oftmals sind sie aber auch echte Workaholics und die Arbeit ist ihnen wichtiger als Freizeit und Familie. Sie sind loyal, aber auch bereit den Job zu wechseln, wenn die Wertschätzung fehlt.

Mit 32% folgt die „Generation X“ (Jahrgang 1966-1980). Diese Altersgruppe ist die sogenannte „Renitenz-Generation“ - geprägt durch antiautoritäre Erziehung. Durch das Aufkommen der Antibabypille 1965 ging die Geburtenrate stark zurück, steigender Wohlstand prägt diese Generation von Kindesbeinen an. Statussymbole prägen, wer sich in der Schulkasse gängige Markenkleidung nicht leisten kann, wird ausgrenzt („Was Lacostet die Welt?“). Das neue Lebensmotto ist „Höher, schneller, weiter!“. Die Vertreter dieser Generation sind sehr ehrgeizig, wenig Team bezogen, wenig loyal und sehr karrierebewusst. Während die „Preboomer“ noch gerne bezahlten, ist diese Altersgruppe durchaus bereit, sich auch auf Kreditbasis Luxus und Lebensqualität zu ermöglichen. Individualität steht hoch im Kurs, Vorschriften sind verpönt.

Menschen, die nach 1980 geboren wurden, gehören der „Generation Y“ oder auch „Why“ an, auch die Internetkinder genannt. Die Gruppe macht derzeit 24% des Arbeitsmarktes aus. Sie zeichnet sich durch hohe Lernbereitschaft, Flexibilität, Mobilität und Multitaskingfähigkeit aus. Sie suchen einen Sinn in ihrer Tätigkeit. Eine Frage mit: „Das war schon immer so.“ zu beantworten, stößt auf völliges Unverständnis. An dieser Stelle wirft Stefan Köhler ein Beispiel ein: Ein in Zeitdruck stehender Chef fragt einen Praktikanten, ob er ihm Fotokopien machen kann. Darauf antwortet der Praktikant: „Nein, das möchte ich nicht. Aber ich kann Ihnen gern zeigen, wie man das Gerät bedient.“ Hätte der Chef ihm erklärt, dass er seine Hilfe benötigt, weil er Zeitstress hat, hätte der Praktikant seine Hilfe sicherlich nicht verweigert. Das „Warum“ gilt es zu klären, wenn man in dem „Generation Y“-ler einen guten Arbeitnehmer haben möchte.

Über die ausführliche Beschreibung der vier Generationen machte der Management-Trainer Stefan Köhler deutlich, wie wichtig die Kommunikation zwischen den verschiedenen Altersgruppen ist. Wer also einen adäquaten Arbeitnehmer für sein Unternehmen sucht, muss sich zwangsläufig mit der Struktur der jeweiligen Altersgruppe auseinandersetzen. Wer ein friedliches und produktives Arbeiten im Unternehmen wünscht, macht sich zur Aufgabe, die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern mittels einer neuen Betrachtungsweise zu verbessern.

Die Beelener Zuhörer und Zuhörerinnen nahmen viele spannende Aspekte aus dem Vortrag mit nach Hause. Sie waren sich aber auch einig, dass in einem kleinen Örtchen wie Beelen die Uhren noch etwas anders ticken. Schlusswort von Stefan Köhler – im Hinblick darauf, dass man durch persönliches Engagement im Unternehmen die Personallandschaft gestalten kann, und man sich nicht zu viel auf die Politik verlassen sollte: „Wir müssen der Wandel sein, den wir von anderen erwarten.“

Zurück

Diese Website benutzt Cookies. Wenn Sie die Website weiter nutzen, gehen wir von Ihrem Einverständnis aus.
OK